1971 führte der amerikanische Psychologe Philip Zimbardo ein Experiment durch, das die Wirkung sozialer Rollen auf menschliches Verhalten untersuchte. Studenten spielten die Rollen von Gefangenen und Wärtern in einem simulierten Gefängnis. Bereits nach wenigen Tagen eskalierte die Situation: Ein Drittel der Wärter zeigte sadistische Tendenzen, Gefangene wurden beleidigt und körperlich bestraft. Der emotionale Zustand der Gefangenen verschlechterte sich so drastisch, dass das Experiment nach sechs Tagen abgebrochen wurde. Zimbardo schloss daraus, dass die menschliche Natur stark vom sozialen Umfeld beeinflusst wird – wir passen uns den Rollen an, die uns auferlegt werden.
Der Einfluss von öffentlicher Meinung und sozialen Werten
Die Konsumgesellschaft manipuliert unser Bewusstsein durch Medien und Werbung. Sie erzeugt Bedürfnisse, die uns oft fremd sind. Ein einfaches Beispiel: Kinder, die Werbung für Fast Food sehen, entwickeln eine Vorliebe für diese Produkte, obwohl sie diese zuvor vielleicht nicht einmal mochten. Ähnlich wirkt der Preis auf die Wahrnehmung: Ein Wein schmeckt besser, wenn wir glauben, er sei teuer.
Auch unser soziales Umfeld beeinflusst uns tiefgreifend. Wenn jemand in unserem engen Kreis mit dem Rauchen beginnt, steigt unsere Wahrscheinlichkeit, es ebenfalls zu tun, um 61 %. Hört jemand auf, wird es wahrscheinlicher, dass wir folgen. Glück überträgt sich ebenso: Freunde glücklicher Menschen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, selbst glücklich zu sein.
Was uns wirklich glücklich macht
Fünf Schlüsselfaktoren beeinflussen unser Glück:
- Soziale Verbindungen
- Körperliche Aktivität
- Bildung und Kompetenzen
- Achtsamkeit
- Geben und gegenseitige Hilfe
Vor allem soziale Kontakte beeinflussen unser Wohlbefinden stärker als Geld. Einsamkeit hingegen kann zu Angst, Konzentrationsverlust und Gedächtnisproblemen führen, während gute Beziehungen die Ausschüttung des Hormons Oxytocin fördern, das Vertrauen und Sicherheit erzeugt.
Ein neuer Weg: Die Korrektur des Egoismus und die Vereinigung der Menschheit
Obwohl viele die Wichtigkeit von Vereinigung verstehen, hindert der natürliche Egoismus uns daran, diese umzusetzen. Wir brauchen eine Gesellschaft, die Werte wie gegenseitige Unterstützung und Verbindung fördert. In der Kabbala wird gelehrt, dass die Wahl einer positiven Umgebung der Schlüssel ist, um unser Denken und Handeln zu verändern.
Baal HaSulam schrieb: „Wer sich bemüht, eine gute Umgebung zu wählen, verdient Lob. Nicht wegen seiner Taten, sondern wegen der Anstrengung, eine Umgebung zu schaffen, die ihn zu positiven Gedanken und Handlungen führt.“
Durch eine solche Umgebung können wir unsere egoistischen Werte überwinden, uns mit anderen verbinden und eine harmonische Gesellschaft schaffen.
Geschrieben/bearbeitet von Studenten des Kabbalisten Michael Laitman.